24-Stunden-Lauf in Apeldoorn 2002

Auch 2002 wieder in Apeldoorn beim „24 Uur Loop“ …….. obwohl einige der Teilnehmer 2001 sich geschworen hatten, so etwas nie mehr zu machen.

Dennoch blieb das Korsett der Mannschaft bestehen. Genau wie im letzten Jahr liefen wieder Anne Heimerzheim, Susanne Sandten, Dieter Paffrath, Marina Sikora, Joa Welter und unser Gast Karsten Kunkel, ein Arbeitskollege von Marina.

Hinzugewinnen konnten wir Viviane Volkstorf, Stefan Göbel und zwei weitere Gäste, nämlich Ulla Hönig (Brunos Schwester, ja, die kann auch laufen) und Alicja Kierzek, ebenfalls eine Kollegin von Marina.

Okay, die ersten 6 wußten, was auf sie zukam. Was war mit den anderen? Würden wir in der Lage sein, das Traumergebnis des Vorjahres auch mit dieser Mannschaft zu erreichen? 301,3 km hatten wir im letzten Jahr zusammengelaufen, unterstützt von solchen Granaten wie Nicole Friedel, Arne Pöppel, Katharina Sandten und Claudia Madsen. Uns war klar, daß es nicht leicht sein würde, dieses Ergebnis zu wiederholen, aber wir wußten auch, daß wir eine hochmotivierte Truppe am Start hatten. So ging es dann am Freitag, 10.5. um 14.00 Uhr los.

Für alle, die den Bericht von 2001 nicht gelesen haben, noch einmal die Regeln: Eine Mannschaft darf aus maximal 10 Läufern/innen bestehen. Jeder darf immer nur 1 Runde laufen (= >1,65186 km) und muß dann an einen anderen übergeben. Man muß nicht immer in derselben Reihenfolge laufen.

Wie immer bei solchen Rennen, hatte unser Coach Marina die Startposition übernommen. Das genießt sie und legt gleich eine persönliche Bestzeit hin: 8:05 Min. 15 Sekunden schneller als im letzten Jahr. Wenn das mal kein guter Anfang ist. Es folgen Joa, Ulla, Stefan, Susanne, Dieter, Alicja, Karsten, Anne und Vivi. Und schon nach den ersten 10 ist klar: Das ist eine schnelle Truppe. Wir müssen unser Ziel nicht korrigieren, sondern wir bleiben bei der 300 km-Marke als Vorgabe.

Zwei große Unbekannte aber gab es: Wieviele Leute werden wir gesund und motiviert über die Nacht bringen (im letzten Jahr waren es „nur“ 8) und „was macht das Wetter“? Erster Nieselregen setzte schon nach zwei Stunden ein. Wenn das so weiter geht, reicht der Bus von Marina und Joa nicht als Unterkunft. Würden die Zelte die Feuchtigkeit aushalten? So, daß man zwischendurch wenigstens eine Mütze Schlaf erwischen kann? Es wurde schon früh spannend. Und diese Spannung erhöhte sich sehr bald: Schon nach dem 2. bzw. 3. Einsatz entschwanden Ulla, Joa und vor allem Alicja zur Massage. Bei Ulla und Joa war es wohl nur eine Art „Genußmassage“, Alicja aber kam wieder, um zu berichten, daß man ihr eine halbe Stunde lang Eis aufs Knie gelegt hatte. Ob das gut geht? Wir wußten aus dem Vorjahr, wie schwer die 24 Stunden werden würden. Und jetzt schon der erste Ausfall nach weniger als drei Stunden? Nicht mit Alicja. Sie biß auf die Zähne und – um es vorwegzunehmen – sie hielt bis zum Ende durch.

Was macht man eigentlich in der ganzen Zeit, in der man nicht läuft? Man sitzt zusammengekauert in Decken auf einem feuchten Campingstuhl, dehnt (jedenfalls in den ersten Stunden) zwischendurch mal seine Muskeln, ißt irgendetwas vom mitgebrachten Proviant (Powerriegel, Eierwaffeln, Käsebrötchen, Gummibärchen, Kekse, Salat und sonstige „Zaubermischungen“), unterhält sich ausschließlich über den 24-Stunden-Lauf und studiert mit Interesse die stündlich herauskommenden Zwischenergebnisse.

Nach drei Stunden hatten wir 24 Runden (= 39,6446 km) geschafft und lagen rundengleich mit 8 weiteren Teams auf den Plätzen 12 -20. Unser Endergebnis wurde mit 293 km prognostiziert. Soviel scheinen die uns nicht zuzutrauen. Na, denen werden wir es zeigen! Inzwischen hatte Stefan die Bestzeit von Arne aus dem Vorjahr um 2 Sekunden unterboten (5:18 Min.!!!), Vivi und Anne drehten mustergültige, sehr konstante Runden, Karsten, Dieter und Joa blieben etwas über Vorjahrniveau und hofften, daß die anderen das ausgleichen würden, Marina und Susanne sorgten für diesen Ausgleich und Ulla und Alicja erwiesen sich als Top-Gastläufer. Wir hielten unser Niveau und hatten nach 6 Stunden 48 Runden zu bieten. 79,28928 km lagen hinter uns und immer noch lagen 9 Teams in einer Runde. Jetzt aber schon auf den Plätzen 11-19. Nicht schlecht für uns, schließlich waren 33 Teams am Start. Ein Viertel der Zeit war nun vorbei und wir rechneten hoch: Fast 80 km mal 4 gibt rund 320 km!!! Superzwischenzeit! Dachten wir! Der Veranstalter sah uns in seiner Prognose aber nur bei 292 km. Die wissen schon warum, denn die Nacht wird seeeehr lang. Und seeeeehr anstrengend.

Wir hatten uns vorgenommen, bei der Taktik aus dem Vorjahr zu bleiben: Um 23 Uhr dürfen 5 Leute für 4 Stunden ins Bett gehen. Um 3 Uhr lösen sie die anderen 5 ab und ab 7 Uhr laufen wir dann (hoffentlich) wieder komplett. Gesagt getan! Um 23 Uhr gingen Vivi, Susanne, Dieter, Ulla und Joa ins Bett. Bis dahin waren 72 Runden geschafft und wir lagen jetzt nur noch mit 5 weiteren Teams rundengleich auf den Plätzen 11 – 16. Prognose: 298 km (aha, geht doch!). In den nächsten 4 Stunden schafften Marina, Anne, Stefan, Karsten und Alicja genau 30 Runden. Sie waren stolz und kaputt und sie hatten Glück: Gerade als es anfing zu regnen, durften sie ins Bett gehen und die anderen 5 auf die Piste schicken. Der Zwischenstand: 102 Runden = 168,4897 km und gleichauf mit 3 weiteren Teams auf den Plätzen 13 – 16. Und die Prognose vom Veranstalter? 300,0232 km!!!!!! Ob die anderen 5 das halten können?

Vielleicht könnt Ihr Euch das nicht wirklich vorstellen, aber laßt es Euch gesagt sein: Nach 4 Stunden Schlaf mitten in der Nacht plötzlich schnelle Runden von 1,65 km zu drehen ist so ungefähr das bescheuerteste, das man sich zu dem Zeitpunkt vorstellen kann. Und entsprechend schwierig ist es auch. Egal! Da rennen schließlich auch noch andere und wir haben ein Ergebnis zu verteidigen, das unsere Mannschaftskollegen vorgelegt haben. Also los! Bei Joa, Ulla und Dieter lief es „einigermaßen“. Dann der Schock: Susannes Knie machte schon in der ersten Runde nach der „Nacht“ nicht mehr mit. Sie konnte einen Großteil der Runde nur noch gehen und wir waren froh, daß sie die Runde überhaupt beenden konnte. Vivi übernahm und ging in die nächste Runde. Wir wußten sofort, daß wir die nächsten 4 Stunden zu viert überstehen mußten. Zum Glück hörte wenigstens der Regen auf. Vivi beendete ihre Runde in guter Zeit und sollte sich in den nächsten Stunden als zuverlässiges Uhrwerk zeigen. Konstant drehte sie Runde an Runde. Auf sie war Verlaß. Ähnlich sollte es sich bei Joa zeigen. Was aber war mit Ulla und Dieter los? Okay, Ulla läuft stimmungsabhänging. Gut drauf, gute Zeit – weniger gut drauf, weniger gute Zeit. Ein ständiges auf und ab, aber dennoch verläßlich. Dieter machte uns Sorgen, denn man konnte förmlich mit ansehen, wie seine Kräfte schwanden. Von Runde zu Runde brauchte er mehr Zeit und um kurz vor 7 Uhr hatte er seine Bestzeit schon um mehr als drei Minuten überschritten. Aber er kämpfte sich durch. Dennoch brachten wir es in unseren 4 Stunden nur auf 28 Runden. 130 Runden waren jetzt geschafft, wir lagen nur noch mit zwei Teams zusammen auf den Plätzen 17 – 19 und die Prognose ließ uns mal wieder unter 300 km fallen: 298 km.

Alle Hoffnung lag nun auf den „Ausgeschlafenen“. Doch jetzt sollten die härtesten Stunden überhaupt folgen. Die seit 3 Uhr liefen, waren nur noch eingeschränkt motiviert. Und die, die geschlafen hatten, wären lieber im Bett geblieben. Zudem mußten sie mitansehen, daß Susanne nicht mehr laufen konnte und Dieter um „einmal aussetzen“ bat. Alle mußten also gleich „richtig“ ran. Das Ergebnis war zunächst einmal niederschmetternd: Die „Ausgeschlafenen“ drehten ihre jeweils erste Runde alle in Tages-Schlechtest-Zeit. Sollte es das gewesen sein mit unserem großen Ziel? Nein, so schnell waren wir nicht kleinzukriegen. Marina weinte zwar auf der Runde, weil ihr alles weh tat, Alicja humpelte zwar, weil das Knie nicht mitmachen wollte, Vivi jammerte zwar, weil sie lieber nicht mehr laufen wollte, Dieter schlief zwar, weil er nicht mehr konnte, aber es blieb dieser starke und schwer zu beschreibende Mannschaftsgeist, der all diese Hindernisse überwand. Jeder versprach sich selbst und den anderen, in den verbleibenden 6 Stunden noch einmal alles zu probieren.

Und siehe da, es wurde besser. Marina verbesserte sich um über 30 Sekunden, Anne gar um mehr als eine Minute. Stefan lief wieder unter 6 Minuten, Vivi und Joa liefen weiterhin konstant, Alicja ignorierte ihre Knieschmerzen und fand zu den Zeiten des Vortages zurück. Selbst Ulla entdeckte irgendwo in ihrem scheinbar kraftlosen Körper noch Reserven und lief plötzlich Runde um Runde schneller. Karsten gar wiederholte seine Leistung aus dem Vorjahr und lief seine schnellste Runde kurz vor Schluß. Sogar Dieter kam nach seinem Aussetzer wieder zurück und knüpfte an die Leistungen vor der Nacht an. Nur Susanne konnte absolut nicht mehr. Nun galt es, mit neun Leuten das Ziel zu erreichen. Gab die Prognose uns um 8 Uhr nur noch 297 km, so stieg sie schon um 9 Uhr wieder auf 298 km. Unsere Hoffnung wuchs. Was würde die 10 Uhr – Übersicht sagen? 299,85 km!!! Das muß doch zu packen sein! Um 11 Uhr waren es wieder „nur noch“ 299,53 km, aber jetzt wollten wir es endgültig wissen: Nur noch drei Stunden, jetzt noch einmal alles geben. Die Prognose um 12 Uhr, zwei Stunden vor Schluß: 301,4 km!!!! Inzwischen waren wir bei 167 Runden und mit zwei weiteren Teams auf den Plätzen 15 – 17.

Und das Ende vom Lied? Anne hatte sich schon drei Stunden vor Schluß gewünscht, Schlußläuferin sein zu dürfen. Sie wollte unbedingt den „Schlußschuß“ um 14 Uhr auf der Strecke miterleben. Vor allem, wo sie doch im letzten Jahr vorzeitig mit einer Verletzung die Segel streichen mußte. Da fiel es niemandem schwer, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Aber würde sie dann jenseits der 300 km sein? Marina nimmt sich eine Runde „Auszeit“, weil ihr Körper nichts mehr hergibt. Anne setzt auch einmal aus, damit sie alle Kraft in die Schlußrunde legen kann. Die anderen holen das raus, was im Körper noch drinsteckt. Und dann passiert´s: Schon einige Minuten vor 14 Uhr gehen wir in die 182. Runde. Die Runde, in der die 300 km überschritten werden. Wir sind so schnell, daß Joa sogar noch einmal außerplanmäßig einspringen muß, um die 183. Runde zu laufen, denn auch die ist noch nicht die Schlußrunde. Um drei Minuten vor 14 Uhr geht Anne in die 184. Runde. Als der Schuß zum Ende fällt, bleibt sie strahlend (wer kann schon strahlen wie Anne????) bei 303, 1 km stehen. Wir haben es geschafft! 300 km geknackt und das Vorjahresergebnis übertroffen! Wahnsinn!!!!!

Wievielter wir geworden sind, wissen wir nicht, weil wir die letzte Übersicht vergessen haben. Das ist aber bestimmt bald im Internet nachzulesen. Wir waren nur noch kaputt, glücklich und stolz. Und all das durften wir in der Ehrenrunde zeigen, die allen Teams gewährt wird.

Wie im letzten Jahr, war auch diesmal während des Rennens wieder klar: „Das machen wir nie wieder!“ Ob die Einstellung diesmal bis zum nächsten Jahr hält?
Ich hoffe nicht!

Joa Welter

Ergebnisliste Staffeln Apeldoorner 24h-Lauf:

EINDUITSLAG 
Categorie:  Recreatieteams 
Klasse- Teamnaam                   Plaats               Ronden KM 
ring         
         
1       RUNNERS STADSKANAAL 1      STADSKANAAL             228 376,624 
2       SC ANTILOPE 1              WADDINXVEEN             215 355,874 
3       SCHLAFWANDLER 2            HALLE / WESTFALEN (D)   207 342,962 
4       HENK VAN DE SCHEUR         APELDOORN               203 336,034 
5       GERT TEN HAVE MASSAGETEAM  APELDOORN               200 330,932 
6       LAUFTREFF WESEL 130        WESEL (D)               195 323,690 
7       NON-STOP-ULTRA             BRAKEL (D)              194 320,805 
8       RED RUNNING DEVILS         BERLIJN (D)             192 317,811 
9       DIE SCHLAFLOSEN            BERLIJN (D)             190 313,853 
10      SPIERPIJN JUNIOREN         APELDOORN               188 311,838 
11      PORTAS RUNNERS             ELSPEET                 185 306,793 
12      RUNNERS STADSKANAAL 2      STADSKANAAL             185 306,613 
13      SC ANTILOPE 3              WADDINXVEEN             184 304,265 
14      Ü W G - ESSEN 94           ESSEN (D)               183 303,627 
15      SSF BONN TRIATHLON         BONN (D)                183 303,127 
16      SAXOFOONWINKEL TEAM        APELDOORN               183 302,864 
17      SC ANTILOPE 2              WADDINXVEEN             182 301,124 
18      Ü W G  I I                 ESSEN (D)               181 299,147 
19      SCHLAFWANDLER 1            HALLE / WESTFALEN (D)   178 295,619 
20      SPIERPIJN                  APELDOORN               178 295,531 
21      KERSTMANNEN V.H.           HOCHDAHL (D)            175 289,402 
22      STAMRUNNERS                APELDOORN               174 287,935 
23      S A V G  1                 APELDOORN               170 281,456 
24      S A V G  2                 APELDOORN               170 281,440 
25      SG RUHRGAS                 ESSEN (D)               169 279,213 
26      CENTRAAL BEHEER ACHMEA     APELDOORN               168 279,147 
27      HET GOEDE DOELEN TEAM      APELDOORN               168 278,170  
28      L V G  1                   GROENLO                 163 269,926 
29      TEAM HONK                  HAMBURG (D)             160 265,53 
30      PLURYN LOCATIE HIETVELD    BEEKBERGEN              160 264,88 
31      BRANDWEER APELDOORN        APELDOORN               157 259,524 
32      DAV MÖNCHENGLADBACH        MÖNCHENGLADBACH(D)       81 133,800 
33      L V G  2                   GROENLO                  48 79,289

Meine Daten:

Runde: ~1,65 km
Anzahl: 21
Schlaf: 3,5 h
Schnellste Runde: 5:18 min
Mittelwert aller Runden: 5:47 min
Langsamste Runde: 6:16 min

Stefan Göbel

Webentwickler, Jurist, Triathlet und überzeugter Bonner.

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