Düsseldorfer Martinslauf: Persönliche Bestleistungen bei winterlichen Temperaturen!

Ich hatte mich zusammen mit meinem Vereinskameraden Max Eggen von den SSF Bonn Triathlon und dessen Freund Jan an einem grauen Sonntagmorgen auf den Weg nach Düsseldorf gemacht.

Um 10:30 Uhr sollte der Startschuss zum 24. Martinslauf fallen. Er viel jedoch erst eine Viertelstunde später. Zu viele Teilnehmer hatten sich erst vor Ort auf den letzten Drücker angemeldet. Wegen der Verzögerung mußten wir uns dann zwangsläufig ein zweites Mal warmlaufen, um nicht schon vor dem Start zu unterkühlen. Denn es herrschten winterliche Temperaturen. Fast alle Läufer trugen lange Kleidung und einige sogar Handschuhe.

Dann ging es plötzlich ganz schnell los. Startschuss! Gerade noch konnte ich die Stoppuhr starten. Und schon ging es den kleinen Hügel bergab, von dem wir starteten. Plötzlich ein kleiner Tumult vor mir: Ein älterer Teilnehmer hatte sich zu weit vorne eingeordnet und konnte dem Tempo offensichtlich nicht standhalten. Er war gestürzt und konnte sich aufgrund der drängenden Läufermasse nicht wieder aufrichten.

Nach einer Minute warf ich den ersten Blick auf die Uhr. Sie zeigte keine Zeit an. Verdammt! Ich richte mich sehr stark nach meinen Zwischenzeiten. Das durfte nicht war sein. Ich hatte die Uhr im Fahrradmodus gestartet. Also mußte ich den Stoppvorgang unterbrechen und neu starten. Aber wo machte das noch Sinn? Natürlich bei einem vollen Kilometer. Die 2-Kilometer-Markierung konnte ich schließlich nach einiger Zeit am Wegesrand entdecken und ab sofort meine Zeiten wieder kontrollieren.

Meine angestrebte Endzeit war 37:30 min. Dafür mußte ich pro Kilometer 3:45 min laufen. Das schaffte ich so gerade. Aber ich mußte das Tempo dafür anziehen. Ich war offensichtlich die ersten beiden Kilometer zu schnell angegangen. Ich hatte das Gefühl ich könnte meine angestrebte Endzeit nicht mehr erreichen. Aber das Siegesgefühl im Zielbereich mal wieder durchgehalten zu haben, das konnte mir zu diesem Zeitpunkt noch keiner nehmen.

Die Laufstrecke führte auschließlich über gut befestigte flache Waldwege. Selten boten sich lange Geraden. Immer wieder verschwanden die Vordermänner kurz aus dem Blickfeld. Für mich demotivierend. Ich merkte, ich wurde immer dann etwas schneller wenn ich meinen Vordermann auf der Geraden sehen konnte. Nach den ersten 5 Kilometern war dann niemand mehr einzuholen. Ich mußte mein Tempo halten.

Bei Kilometer sieben wurden dann meine Beine schwer. Die Zwischenzeit war soweit noch vielversprechend. Ich durfte nur nicht zu viel Zeit auf den ersten beiden Kilometern verschenkt haben! Der Wille zum guten Finish war da. Jetzt Zähne zusammenbeißen und nicht nachlassen. Den Blick auf die Fersen des Vordermanns gerichtet und den Abstand halten! Gleichmäßig atmen und auf die Einhaltung eines ökonomischen Laufstils achten.

Die ersten Zuschauer stehen am Wegesrand und apllaudieren. Ich bin gerade relativ alleine unterwegs. Man applaudiert nur für mich. Mehr als ein kurzes Lächeln bringe ich nicht fertig, ich muß mich verdammt zusammenreißen.

Endlich erkenne ich ein Stück Weg aus der Einlaufphase wieder. Nur noch ein Kilometer! Gerade bin ich von einer dreiköpfigen Gruppe überholt worden. Das nahe Ziel setzt noch einmal Kräfte frei. Ich überhole die Gruppe wieder und setze mich etwa zehn Meter ab. Vielleicht bekommen ich ja noch meinen Vordermann eingeholt. Doch jetzt geht es wieder den Hügel hinauf von dem wir gestartet waren. Berglaufen ist meine Stärke. Ich fühle, daß ich es schaffen kann. Doch der Abstand war zu groß. Jetzt geht es noch etwas bergab und schon sind wir im Zielkanal. Überholen verboten. Ich bin froh im Ziel zu sein.

Auf dem Weg zur Verpflegungsstation kommt mir Max entgegen. Er ist schon seit über zwei Minuten im Ziel mit persönlicher Bestzeit: 35:13 min. Alle Achtung. Das wird noch ein weiter Weg für mich.

Ich weiß meine Zeit noch nicht. Die Uhr hatte ja erst ab Kilometer zwei gestoppt: 30:15 min. Wie langsam war ich wohl auf den ersten beiden Kilometern? Am Abend sind die Ergebnisse im Internet. 37:29 min – auch ich habe meine bisherige Bestzeit um 9 Sekunden steigern können!

Stefan Göbel

Webentwickler, Jurist, Triathlet und überzeugter Bonner.

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