Harte 10 km beim 14. Rheinauenlauf 2002

Bei windigem, trockenem und sommerlich-warmem Wetter konnte der Lauftreff Ennert in diesem Jahr 295 LäuferInnen auf die 10 km lange Strecke durch die Rheinaue schicken.

Einer davon war ich. Mit meiner angepeilten Endzeit von 37:00 min würde ich ungefähr auf Platz 20 kommen, so schätzte ich. Ich hatte mir viel vorgenommen. So stellte ich mich gleich hinter Vereinskamerad Max Eggen in die zweite Startreihe. Start und Ziel war am Beueler Rheinufer beim Kardinal-Frings-Gymnasium. Und – peng! Los ging es. Nach ein paar hundert Metern fand ich mich auf Rang acht wieder. Ich wollte eigentlich einen 3:42er Schnitt pro Kilometer laufen. Der erste völlig ebene Kilometer war in der Euphorie erwartungsgemäß zu schnell. Meine 3:24 min beunruhigten mich etwas. Das war wirklich viel zu schnell. Meine Beine waren noch schwer von den vorhergehenden Trainingsläufen. Ursprünglich wollte ich ein Teilstück auf dem Vorderfuß laufen – daran war aber leider nicht mal für einen Kilometer zu denken. Das merkte ich spätestens als es auf die Südbrücke ging, die es zu überqueren galt, um eine Runde in den Bonner Rheinauen zu drehen, bevor es über die Brücke auf demselben Weg zurück ins Ziel ging. War ich nach den ersten Metern noch auf Rang acht gewesen, wurde ich ab Kilometer zwei überholt und weiter nach hinten durchgereicht. Meine Zwischenzeiten bauten kontinuierlich ab. Ab Kilometer 5 wurden meine Beine richtig schwer und die Zweifel größer, ob ich überhaupt ordentlich laufend ins Ziel kommen würde. Meine Zeitvorstellung war dahin, aber achtbar finishen musste ich auf jeden Fall. Also Zähne zusammen beißen. Den anderen wird es auch schwer gehen. Dann plötzlich Unruhe vor mir. Die Läufer, die mich zuvor überholt hatten, kommen mir plötzlich vor einer in den Rheinauen zu überquerenden kleinen Holzbrücke von rechts entgegengelaufen. Der auf den Boden gemalte Kreidepfeil zeigte geradeaus über die Brücke. Die Läufer waren jedoch einer vom Veranstalter zur Richtungsangabe eingesetzten Holzente (Vereinsmaskottchen) gefolgt, deren verschiebbarer Pfeil wohl durch Wind oder einen böswilligen Passanten nach rechts verdreht worden war.

Für die Kollegen sehr bedauerlich, da sie nun die auf mich gewonnen Meter wieder verloren hatten. Neue Motivation für mich. Die Hälfte ist schon geschafft und noch bin ich dran am vorderen Feld. Nun geht es wieder hinauf auf die Südbrücke. Jetzt nicht nachlassen! Auf der Brücke bläßt heftiger Gegenwind. Die erhöhte Kraft, die ich aufwende um im Windschatten meines schneller laufenden Vordermannes zu bleiben, muss ich nicht gegen den Wind einsetzen.

Beim Verlassen der Brücke herrscht wieder Aufregung. Der Weg teilt sich. Der Hauptweg führt weiter nach rechts. Gekommen waren wir von dem linken Weg. Richtungsangaben sind nicht vorhanden. Meine Vorderleute nehmen den rechten Hauptweg. Ich stutze. War der Rückweg nicht mit dem Hinweg identisch? Der Läufer hinter mir weiß es. Er läuft unbeirrt links. Ich nehme die Verfolgung auf und habe zu den anderen Läufern wieder relativ Boden gut gemacht. Nun geht es nur noch geradeaus ins Ziel. Einer der schnelleren Läufer die sich verlaufen hatten überholt mich wieder. Ich bleibe an ihm dran. Auf den letzten Metern fühle ich mich wieder stark. Überholen will ich aber nicht mehr. Wer jetzt direkt vor mir ist, mußte bereits ein paar Meter mehr zurücklegen. Überholen wäre unfair. Ich habe auch so vom Unglück der anderen profitiert, was meine Endplatzierung angeht. Ich erreiche Rang zwölf – das ist super. Schade nur, dass meine Endzeit mit 37:51 min gut fünfzig Sekunden langsamer als geplant ist.

Im Ziel treffe ich meinen Vereinskameraden Jörn Menne. “Und wievielter bist du geworden?”, frage ich. “Erster”, sagt Jörn, als ob das gar nichts wäre. Die anderen Läufer, die er stärker eingeschätzt hatte waren wohl nicht richtig im Training. Trainingspartner Max konnte sich in für ihn guter Zeit den dritten Rang in der Gesamtwertung mit einem Mitstreiter teilen und wurde Erster in der MHK. Ich wurde noch vor Vereinskamerad Henning Fischer Dritter in der MHK, wofür ich geehrt wurde und ein Schreibset als Preis mit nach Hause nehmen durfte.

Hier ein Ausschnitt aus der Ergebnisliste:

LT Ennert Bonn e.V.
14. Bonner Rheinauenlauf / 10 km / 31.08.2002
Einlaufreihenfolge

PLATZ ZEIT      NAME VORNAME STNR VEREIN AK PLATZ
1 0:33:51 Menne Jörn 132 SSF Bonn M 30 1
2 0:34:29 Althans Gregor 134 ESV Münster M 35 1
3 0:35:20 Hömberg Uwe 135 Alfterer SC M 35 2
4 0:35:20 Eggen Maximilian 119 Team Active Running ct. M HK 1
12 0:37:51 Göbel Stefan 265 SSF Bonn Triathlon M HK 3
23 0:38:44 Fischer Henning 264 SSF Bonn Triathlon M HK 4
291 1:19:54 Engel Andreas 19 LT Spich M 70 1

Stefan Göbel

Webentwickler, Jurist, Triathlet und überzeugter Bonner.

Leave a Reply