„Offene westdeutsche Meisterschaft der Mitteldistanz“…

… klingt, doch klasse, oder? Ich bin jedenfalls ziemlich stolz, diesen Triathlon am 17. August 2002 ohne größere Schwierigkeiten gefinisht zu haben.

Naja, “ohne größere Schwierigkeiten” schreibt sich nacher immer sehr leicht. 😉
Besonders vor der Schwimmstrecke hatte ich vorher großen Respekt. Zwei Kilometer galt es in der Bevertalsperre zu schwimmen. So weit war ich auch im Training noch nie geschwommen!

Nun, der Tag versprach sonnig zu werden, das Wasser der Talsperre war klar und ziemlich warm und ich durfte auch meinen Neoprenanzug anziehen. Die äußeren Bedingungen stimmten also. Zusammen mit meinem treuen Kameraden Michael stellte ich mich also um 8:45 Uhr im offenen Feld der Triathleten (die Liga war eine Viertelstunde früher gestartet) ganz hinten an. Meine Erwartung war schließlich, dass bei einer Mitteldistanz kaum schwächere Schwimmer als ich teilnehmen könnten. Entsprechend überrascht war ich dann, als ich zu Beginn des Wettkampfes immer wieder gegen die Füße meiner Vorderleute schwamm, die zunächst eine dichte Linie vor mir bildeten. Fast wäre es mir sogar “gelungen” jemanden zu “überschwimmen”. Nach ein paar hundert Metern hatte sich das Feld auseinander gezogen und ich versuchte mich zu positionieren. Die Sicht auf die anzuschwimmende erste Wendeboje war schlecht, da die Boje gelb und relativ klein war und genau in Richtung Sonne lag. Nun ja so habe ich mich tatsächlich bis kurz vor der Boje immer wieder an meinen Mitstreitern orientiert. Das war bitter nötig, denn immer wieder stellte ich fest, dass ich mich etwas von ihnen entfernt hatte, also “zickzack” geschwommen war.

Nach der Boje, die ich sehr eng nehmen konnte, besann ich mich auf das Erfolgsgeheimnis meines erfahrenen Triathlonkameraden Arne, der kürzlich in Roth über 3,8 km eine hervorragende Zeit geschwommen war, indem er sich im Wasserschatten eines Kollegen gehalten hatte. Bald hatte auch ich meinen “Schattenspender” ausgemacht und brauchte fortan nicht mehr so häufig den Kopf zur Orientierung aus dem Wasser zu nehmen. Die hellen Füße meines Vordermannes leuchteten im klaren Wasser deutlich vor mir. So machte das ganze wirklich Spaß. Als dann auch die zweite Boje passiert war und das Ziel am Ufer in greifbare Nähe gerückt war, war ich mir ausreichender Kraftreserven in den Armen sicher und verließ den Wasserschatten meines Vordermannes um an ihm vorbeizuziehen. Das war dann aber gar nicht so einfach, denn schon um mein Tempo neben ihm zu halten, brauchte ich mehr Kraft. Also war da wirklich was dran an der Behauptung, das der Wasserschatten existiert und Kraft spart! Es gelang mir dennoch noch ein paar Konkurrenten einzuholen, bevor ich höchst zufrieden nach 34:39 min aus dem Wasser stieg und von Maggi, Michaels Freundin, hörte, dass dieser noch nicht an ihr vorbeigekommen sei. 😉

Michael und ich waren nach meinem Eindruck übrigens die einzigen, die keine Schwimmbrille trugen. Das war eine gute Idee, denn in dem klaren Wasser konnte man auch ohne Brille gut sehen und wo keine Brille ist kann eine solche auch nicht beschlagen und die Orientierung über Wasser erschweren.

Nach dem Schwimmausstieg waren bis zur Wechselzone 250 Meter laufend zurückzulegen. Das fand ich natürlich prima und konnte tatsächlich Mannschaftskamerad Rainer, der deutlich schneller geschwommen war bis zu Wechselzone wieder einholen. Der Wechsel funktionierte unproblematisch. Mein Nachbar nahm den Wettkampf auch ziemlich locker und machte noch eine lustige Bemerkung als wir uns aus den Neos befreiten.

Über die Bevertalsperre ging es dann auf den Rundkurs der Radstrecke die es vier Mal zu durchfahren galt. Da sie mir als sehr schwierig beschrieben worden war und ich mir sowieso vorgenommen hatte, den Wettkampf locker anzugehen und zu genießen, ließ ich zahlreiche Konkurrenten widerstandslos passieren. Die Strecke war hervorragend ausgewählt und voll gesperrt. Mir als schlechtem Fahrer in der Ebene kam der hügelige und damit abwechslungsreiche Kurs sehr gelegen. Vorbei an Kuhwiesen und durch kleine Ortschaften glich das Rennen für mich in den ersten beiden Runden bei strahlendem Sonnenschein eher einer flotten Radspazierfahrt. 😉

In der dritten Runde wurde ich dann jedoch von zwei Fahrerinnen überholt, die ich selber kurz zuvor überholt hatte. Diesem Reiz konnte ich dann doch nicht widerstehen und die Radstrecke wurde auch für mich mehr zur Rennstrecke. Die beiden Damen konnte ich an der nächsten Steigung hinter mir lassen und überhaupt an den Bergen stets wieder den Boden gut machen, den ich bergab verloren hatte. Überholt wurde ich hin und wieder von kleinen Pulks der Ligastarter die deutlich stärker als die Starter der offenen Klasse am Hinterrad ihrer Vordermänner lutschten. Bemerkenswert fand ich, dass mich Vereinskamerad Mario mit Namen grüßte, als er mir an zweiter Stelle liegend entgegenkam und auch Ligastarter Max ein paar aufmunternde Worte für mich hatte. Ich nehme schon mal vorweg, das beide mit ihrer Mannschaft in der Bundesliga West bzw. der Regionalliga gewinnen konnten.

An einer Kontrollstation nahm in der dritten Runde ein Motorrad meine Verfolgung auf. Es war kein Kampfrichter, sondern der Kameramann des WDR, der von der Westdeutschen Meisterschaft berichten wollte. Da sich plötzlich vor uns ein Traktor auf der Straße befand mussten wir uns einige Zeit Gesellschaft leisten, bis wir an einer breiten Stelle der Straße an dem Traktor vorbeiziehen konnten. Leider habe ich die Zusammenfassung im Fernsehen nicht gesehen, so dass ich nicht weiss, ob ich darin zu sehen war.

Nach 2:30 Stunden konnte ich den Rundkurs wieder verlassen und zurück auf die Talsperre einbiegen. Dort war es so eng, das mir ein Wettkampfrichter mit seinem Motorrad unfreiwillig Windschatten bieten musste.

Der Wechsel lief wieder perfekt. Mit dem ersten Schwamm Wasser über dem Kopf ausgewrungen ging ich auf die Laufstrecke, die mich zunächst von der Talsperre in den Ortskern von Hückeswagen zum Sportplatz führte. Mehrere Kilometer bergab konnte sich der Körper langsam auf die veränderte Beanspruchung umstellen. Die Konkurrenten waren immer gut im Blick. Ganz langsam konnte ich mich Ihnen nähern und vorbeiziehen. Beim Sportplatz angekommen waren dann noch drei Runden á 5 km zu laufen. Die Profis waren teilweise schon in ihrer dritten Runde, so dass ich nun auch öfter mal überholt wurde. Aber macht nichts – ich will das Rennen ja genießen. Wie prima, dass “Wasserschatten-Arne” gerade das Stadion verlassen hatte, als ich einbog. Wenn ich ihn einholen würde, könnte ich mich durch seine Anwesenheit motivieren! Das Einholen war dann gar nicht so leicht. 😉 Erst kurz vor Ende meiner ersten Runde war ich an Arne herangekommen. Einfach an ihn heranlaufen fand ich aber blöd. Ich wollte Arne etwas ärgern und so hängte ich mich an einen schnellen Ligastarter, der mich gerade überholte und zog zunächst mit hoher Geschwindigkeit an Arne vorbei, ohne mich zu ihm umzudrehen. Als ich deutlich vorbei war zog ich meine Vereinskappe aus und winkte wortlos nach hinten, als ob ich so konzentriert liefe, dass ich mich nicht einmal mehr zu ihm umdrehen könnte. Arne hatte mich erkannt und rief mir etwas zu. Er glaubte tatsächlich, ich könnte und wollte das gezeigte Tempo laufen. 😉 Mit einem verschmitzten Lächeln drehte ich mich um und klärte ihn auf. Wir liefen dann zusammen durchs Stadion und absolvierten seine letzte Runde gemeinsam. Auf dem Weg zum Stadion sagte ich ihm, das es für mich das beste sei, jetzt in der dritten Runde an Michael heranzulaufen und mit ihm die letzte Runde zu bestreiten. Wer bog aus dem Stadion als wir einliefen? Michael! Super!
Am Ende der Steigung, die sich an das Stadion anschloss, sah ich bald Annette an Michael vorbeilaufen. Noch besser! Ich könnte erst mit Michael und dann mit Annette laufen. Gedacht, getan! Bald hatte ich Michael erreicht, für den es die erste Runde war. Er war gut drauf und hatte auch genug Puste zum Reden. Wir liefen zusammen bis zu Verpflegungsstelle. Dort verabschiedeten wir uns und ich hatte meine Liebe Mühe und Not wieder an Annette heranzulaufen, die sich schon einen deutlichen Vorsprung auf uns herausgelaufen hatte. Kurz vor dem Stadion konnte ich aufschließen und unter Beifall unserer Vereinskameraden mit ihr zum letzten Mal ins Stadion einlaufen und die Ziellinie passieren

Fazit: Ich muss häufiger Wettkämpfe zum Geniessen machen. Dieser war super.

Hompage des Veranstalters: http://www.atv-hueckeswagen.de/


Triathlon Hückeswagen 2002
Ergebnisse Männer: Mitteltriathlon (2000m - 74km - 21km)

Platz Nr. Name, Vorname     Verein/*Ort         Platz AK   Endzeit  SWIM     BIKE     RUN      
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  1   250 Niederau, Dirk    SSF Bonn                1 30   03:43:16 00:26:15 01:59:28 01:17:32 
  2   575 Coenen, Clemens   TV Lemgo                1 HK   03:48:19 00:27:09 02:00:55 01:20:14 
  3   209 Mettlach, Jörg    Starlight Team Essen    1 35   03:48:25 00:25:25 02:03:55 01:19:04 
          ...
164   567 Göbel, Stefan     SSF Bonn Triathlon     59 HK   04:39:35 00:34:39 02:30:41 01:34:15 
          ...
263   485 Kersting, Ralf    *Meckenheim            65 35   07:21:23 00:46:27 03:37:10 02:57:45 

Stefan Göbel

Webentwickler, Jurist, Triathlet und überzeugter Bonner.

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